Warum ich die Bibel lese

Die Bibel ist das meistverkaufte Buch der Welt. Doch Umfragen zeigen, dass sie kaum gelesen wird. Dabei gibt es viele gute Gründe, die Bibel zu lesen. Dafür braucht es keine Glaubensentscheidung. Vielleicht muss man sogar manchen Glaubenssatz über Bord werfen, um die Bibel wirklich zu verstehen...

1. Gute Gewohnheiten sollte man beibehalten

Die Bibel ist voller Wissen. Aber aufgrund der Fülle kann man das nicht alles im Kopf behalten. Immer wieder die Bibel zu lesen, heißt dieses Wissen zum Teil aktuell zu halten. Aber aufgrund Wissbegierde würde ich mich kaum regelmäßig oder gar täglich motivieren können, die sie zu lesen, um es mir anzueignen. Durch die Gewohnheit, es dennoch zu tun, erhöhe ich die Quote der Inspiration erheblich.

Bibellesen ist manchmal begeisternd und beglückend. Manchmal ist es aber auch zum Schnarchen langweilig; aber weil es für ein Leben als Christ unabdingbar wichtig ist, muss es trotzdem sein!

Ich lese die Bibel, weil ich es gewohnt bin. Nur weil ich diese Gewohnheit habe, kann ich sie von Zeit zu Zeit kritisch reflektieren.

 

2. Glaube ich an die Bibel?

Der Prophet Jeremia sieht in jedem geschriebenen Wort Gottes immer die Beziehung zu dem, der darin zu Wort kommen möchte. "Dein Wort ward meine Speise, sooft ich's empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost" (Jeremia 15,6). Das sagt auch David in: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg" (Psalm 119,105). Die Buchstaben der Bibel bieten durch reines Lesen keine unfehlbare Wegweisung. David betet deswegen: "Herr, mein Gott. Du sprichst zu mir und zeigst mir den Weg, von dem du möchtest, dass ich ihn gehen soll."

Die Bibel wird unser Leben nie wirklich nach dem Willen Gottes prägen, wenn wir nur versuchen, sie zu verstehen. Wenn wir nur versuchen ihre Bilder zu deuten und diese auf heute zu übertragen, reicht das auch nicht aus. Das ist alles hilfreich und wichtig, aber zum "Licht", zur Wegweisung aus der Ewigkeit werden biblische Texte nur, wenn man sie in Verbindung mit Gott liest.

Wir glauben nicht an die Bibel, sondern an Gott, der durch sie zu uns spricht.

Gott hat uns die Bibel gegeben, weil er dadurch zu uns sprechen will. Darum müssen wir die Bibel betend lesen. Das Gebet braucht die Bibel, denn sie lehrt uns beten und durch sie lernen wir den Gott besser kennen, mit dem wir reden wollen.

Wäre die Bibel der einzige Grund unseres Glaubens, wäre sie reduziert auf ein Maß an Bedeutung, wie es heilige Bücher anderer Religionen haben. Indem die Bibel weniger ist als Gott, ist sie mehr als alle anderen heiligen Bücher, nämlich unmittelbares Sprachrohr Gottes in seine Gemeinde, aber auch in jedes einzelne Herz hinein.

 

3. Himmel und Erde vergehen

"Jede Schrift, die von Gottes Geist eingegeben wurde, ist nützlich für die Unterweisung im Glauben, für die Zurechtweisung und Besserung der Irrenden, für die Erziehung zu einem Leben, das Gott gefällt. Mit den heiligen Schriften in der Hand ist der Mensch, der sich Gott zur Verfügung gestellt hat, ausgerüstet für alle Aufgaben seines Dienstes." (2.Timotheus 3,16-17)

In der Bibel stehen nicht alle Antworten auf unsere Fragen. Sie ist auch keine lückenlose Gebrauchsanleitung fürs Leben. Die Bibel ist für wirklich wichtige Dinge gegeben, nämlich um uns für die Aufgabe auszurüsten, die Gott uns gibt.

Die Berichte des Neuen Testaments erweisen sich schon insofern als sehr glaubwürdig, als es keine Quellen darüber gibt, dass damals irgendjemand ihre Richtigkeit angezweifelt hätte. Es wäre andersherum ziemlich unmöglich gewesen, erfundene Geschichten für wahr auszugeben, weil es genügend Zeitgenossen gab, die sofort widersprochen hätten.

Die Autoren berichten exakt, was vor ihnen geschehen ist, auch wenn sie mit "leichten Korrekturen" die Glaubwürdigkeit der Berichte hätten erhöhen können. Diese Authentizität und Unterscheidung von Bericht und Deutung hat auch zum Ausschluss anderer Evangelien und Berichte geführt. So zieht sich durch die vier Evangelien eine strenge Unterscheidung zwischen Historie und deren Deutung bzw. bildhafter Rede.

4. Die Bibel als Wort Gottes

Auch interessierte und disziplinierte Bibelleser kennen die Erfahrung, dass einem ein Text rein gar nichts sagt und dass man keinen Sinn in den scheinbar zusammenhanglos aneinandergereihten Aussagen erkennt. Dann gibt es aber auch die Erfahrung, dass uns ein Text geradezu elektrisiert und eine völlig neue Dimension des Lebens und Glaubens eröffnet.

Besonders deutlich wird dies, wenn Menschen allein durch das Lesen der Bibel zum Glauben kommen und ein Leben mit Gott beginnen. So etwas geschieht immer wieder und ist zumindest ein Beweis dafür, dass es mit diesem Buch etwas ganz Besonderes auf sich hat.

Die Bibel ist Gottes Wort tiefgefroren.

Ein tiefgefrorenes Lebensmittel ist ein Lebensmittel, aber es ist nicht essbar. Genauso ist es mit der Bibel. Sie ist Gottes Wort, aber wir müssen sie erst auftauen. Durch die Mikrowellen-strahlung des Heiligen Geistes kann der Text auftauen, aufgenommen und verdaut werden. Damit erschließt Gott uns die schwierigen Passagen und spricht uns dadurch an.

Erwartungsvolle Entspanntheit

Die Regelmäßigkeit des Konsums (siehe 1) liegt an uns. Gleichzeitig dürfen und sollen wir es aber in großer Gelassenheit Gott überlassen, wann er sich durch welche Verse Bahn bricht und unser Herz erreicht. Das gilt für alle Ebenen des Bibellesens: persönlich, im Hauskreis und auch im Gottesdienst. Man kann den Heiligen Geist nicht zwingen und niemand kann das Wort Gottes in seiner ganzen Fülle verstehen. Mancher schwer verständliche Text wird erst nach Jahren verständlich und wir sollten uns mit voreiligen Schlüssen und Erklärungsmustern nicht zufrieden geben.

Offensichtlich ist, dass die verschiedenen Bücher der Bibel die Handschrift ihrer Verfasser tragen. Das weist darauf hin, dass Gott den Schreibern die Texte nicht vorbei an ihrem Denken und ihren Formulierungen wörtlich diktiert hat. Manche Passagen sind ausdrücklich als Wort Gottes gekennzeichnet.

Die Bibel ist nicht aufgrund ihrer Entstehung Wort Gottes, sondern sie ist es im Ergebnis.

Durch die Bibel…

  • kommen Menschen zum Glauben
  • macht Gott sich uns bekannt
  • gibt Gott uns Maßstäbe
  • sterben Menschen getrost im Frieden
  • erkennen Sünder ihre Verlorenheit
  • erkennen Verlorene ihre Rettung
  • wuchs die weltweite Christenheit
  • erwuchsen Erweckungen
  • wurden Fehlentwicklungen korrigiert

 

5. Neue Perspektiven erweitern den Blick

Die Bibel besteht überwiegend aus Berichten darüber, was Menschen mit Gott erlebt haben, weil es im christlichen Glauben nicht um Regeln geht, sondern um Beziehung zu Gott. Das unterscheidet sie sehr von anderen heiligen Büchern.

Nicht die Idee des Glaubens begegnet uns in der Bibel, sondern der Kampf der Menschen mit ihren Trieben und Hormonen, mit ihren Komplexen und Überheblichkeiten, mit ihren Dummheiten und Begrenzungen. Und in alledem ist Gott drin: das ist der rote Faden der Bibel.

Der Perspektivwechsel in der Bibel lässt auch uns unser Leben neu entdecken.

Gott kommt in Gestalt des Jesus von Nazareth persönlich zu uns. Das ist in keiner anderen Religion denkbar oder erlaubt! Der Heilige wird Mensch aus Fleisch und Blut. Er lässt sich finden und lädt zu einer persönlichen Beziehung ein.

Die Bibel bietet uns zwei Perspektiven an: Gott zu den Menschen und Gott unter den Menschen. Einerseits werden wir aufgefordert, Gott zu suchen, unsere Sünden zu erkennen, Buße zu tun und Gottes Vergebung anzunehmen. Andererseits werden wir belehrt, dass sowieso niemand Gott finden kann, und dass es Kontakt zwischen Gott und Mensch nur dann gibt, wenn Gott die Initiative ergreift und zu uns herabsteigt. Beides ist richtig und dennoch baut es untereinander die Spannung von Willensfreiheit und Vorherbestimmung auf.

Weil die Bibel so vielschichtig ist, ist es wichtig, sie nicht auf einen oder wenige Aspekte ihrer Botschaft zu beschränken. Alles ist wichtig, aber wer nur einen Ausschnitt liest, ernährt sich einseitig. Und einseitig ernährte Christen werden geistlich kraftlos. Sie haben keine Freude am Leben als Christen und sind nicht in der Lage, anderen Menschen zum Christsein zu helfen.

Wer die Bibel aus verschiedenen Lebenssituationen und Perspektiven liest hat mehr davon. Dadurch entdeckt man neues in "Altbekanntem" und erstaunliches in "ungreifbarem".

6. Zumutung: Mut zu sprechen?

Die Bibel macht es einem nicht leicht! Viele Abschnitte im Alten Testament handeln von Tod, Rache, Krieg und Gewalt. In der ganzen Bibel gibt es Berichte von unfassbaren Wundertaten. Beides sind Zumutungen für unseren Alltag in einer abgeklärten Welt.

Manches lässt sich auf andere Kulturen, andere Epochen oder herrschende Bräuche zur damaligen Zeit zurückführen. Damit sind Gräueltaten schnell relativiert. Doch bei den Wundern und Versprechungen Gottes lässt sich nicht alles einfach mit dem Satz abspeisen: „Das muss man eben glauben.“ Die Bibel will ernst genommen werden mit Behauptungen, mit denen sie sich gegen die Wirklichkeit der Welt stellt. Angenommen, was da steht, würde doch stimmen, dann habe ich die Realität der Welt noch nicht begriffen. Martin Heidegger sagte: „Wenn Jesus von den Toten auferstanden ist, dann ist jede naturwissenschaftliche Erkenntnis vorletztlich.“

Es geht darum, dass die Grundfragen des menschlichen Lebens gelöst werden, die wir von uns aus nicht in den Griff kriegen.

Die Fragen, die in unseren Auffassungen von dem, was stimmt und was nicht stimmt, immer ungelöst bleiben. Es geht um das Problem von Schuld, Leid, Tod und Sinn.

Dabei weist die Bibel auf eine andere Wirklichkeit, die uns zwar aufs Äußerste herausfordert, in der es aber Antworten gibt auf die angesprochenen Grundfragen meines Lebens. Wenn es stimmt, was in der Bibel steht, dann sind alle Probleme der Welt an einer Stelle dieser Welt zu begreifen und zu lösen. Nämlich am Kreuz von Golgatha.

Eine andere Herausforderung ist es, den Willen Gottes im Alltag aus der Bibel herauszulesen. Die Bibel ist keine Ansammlung von Vorschriften für alle Fälle des Lebens. Sondern sie ruft zur Nachfolge und zum Gehorsam. Nachfolge bedeutet, dass wir mehr und mehr zum Einklang mit dem Willen Gottes finden. Ja, dass Gottes Liebe und seine Art, mit Menschen umzugehen und zu handeln, auf uns abfärbt. Mit der Bibel zieht Gott uns ins Vertrauen. Beim Lesen lernen wir mehr und mehr, die Gedanken Gottes zu denken und in seinem Namen zu handeln. Damit nimmt Gott mich als Gegenüber ernst.

 

7. Weil ohne sie die Welt nicht zu verstehen ist

In den meisten europäischen Ländern leben wir in christlich geprägten Kulturen und Rechtssystemen. Diese sind geprägt von der Bibel. Den Unterschied merken wir dann besonders deutlich, wenn wir in hinduistisch geprägte Länder kommen, wo Menschen in anderen Kasten ignorant behandelt werden. Oder wenn Europäer erstaunt feststellen, dass es vielen Staaten der Welt bis heute noch eine Todesstrafe gibt.

Jede Kultur ist geprägt. Entweder durch Religionen oder durch quasi-religiöse Charaktere. Manches ist hinterfragbar. Das, was nicht hinterfragt werden darf, ist eine Ideologie.

Zwei Strömungen nehmen immer mehr zu: die Säkularisierung und die neue Religiosität.

Säkularisierung beschreibt jede Form von Verweltlichung, welche die Bindungen an die Religion gelockert oder gelöst haben. Die neue Religiosität ist das Suchen nach tragfähigen Werten, welche häufig zu den traditionellen Werten zurückkommt. Dazu gehören Solidarität, Barmherzigkeit, Ehrlichkeit und Nächstenliebe. Diese sind nicht einfach so zu haben, sondern sie müssen zunächst neu aus dem Unterbau ableitet werden und aus diesem erwachsen.

Die Abschaffung der Todesstrafe kann in Deutschland auch auf den Paradigmenwechsel zurück zu führen sein, den die neutestamentliche Botschaft gegenüber den Bestimmungen des Alten Testaments vollzieht. Zum Kern des Evangeliums gehört die Botschaft von der Möglichkeit der Vergebung. Das heißt die Menschen haben die Chance ihre Schuld vor Gott zu bekennen, eine neue Richtung einzuschlagen und damit von aller Schuld freigesprochen zu werden.

Gott nimmt den Menschen durch Jesu stellvertretenden Tod die Rache aus den Händen und erklärt die Sühne zur Chefsache.

Im Gegensatz zu vielen anderen Religionen ist der christliche Glaube kein Volksglaube, sondern individuelle Entscheidung des Gläubigen vor Gott. Dies entspricht dem Individualismus der heutigen Zeit. Im Judentum, sowie vielen afrikanischen und asiatischen Staaten ist dieser Gedanke aber zutiefst fremd. Wenn der Einzelne in diesen Kontexten in den Blick rückt, dann zumeist im Kontext der christlichen Kirche, die aus der biblischen Lehre heraus ihre diakonische Verantwortung gegenüber dem Individuum entdeckt und wahrnimmt. Diese Aspekte nehmen wir in unserem europäischen Kontext kaum in der Bibel wahr, da diese Grundeinstellung unsere Kultur bereits durchdrungen hat.

Jesus brachte diese starke individualistische Komponente ein. Er sah den Einzelnen leiden und durchbrach um seinetwillen die gesellschaftlichen Konventionen und auch die religiösen Gesetze, indem er Kranke auch am Feiertag heilte. Nur wenn man die Bibel als Grundzeugnis des christlichen Glaubens liest, wird man verstehen, wie sich eine Kultur entwickeln konnte, in der das Recht des Einzelnen im Zweifelsfall sogar über die Wünsche der Gemeinschaft gestellt werden kann.

Austausch mit anders-Gläubigen gelingt nur, wenn man weiß, was man selbst glaubt.

Wenn man die Bibel kennt, versteht man auch, weswegen es solche Auseinandersetzungen zwischen dem Christentum und anderen Religionen, sowie Weltanschauungen, gibt. Der christliche Absolutheitsanspruch ist ein ideeller, der niemals mit Gewalt durchgesetzt werden darf.

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich“ (Johannes 14,6) Dieser Ausspruch Jesu ist eine Provokation für alle anderen Religionen. Denn nur der Mensch, der allen anderen Göttern abgeschworen hat und sich ganz unter die Herrschaft von Jesus Christus stellt, findet ein erfülltes und ewiges Leben.

Führer andere Religionsgemeinschaften und Lehren wissen um die Prägekraft von Religion. Viele haben sich deswegen in aller Regel mit der Bibel als dem lehrmäßigen Fundament des konkurrierenden Christentums befasst. Sie haben erkannt, dass die Bibel das Potential hat, diese Welt zu verändern.

Fazit:

Egal, welcher Grund für dich nachdenkenswert ist. Wichtig und wesentlich bleibt die Frage: wann fängst du an dieses Buch ernst zu nehmen und schlägst es auf? Du wirst dich wundern, wie dieses Buch dein Leben umkrempelt und dich in Verbindung bringt mit dem lebendigen Gott. Gottes Segen dabei!

 

Buchtipp:

Die Idee zu diesem Artikel und einige Ausschnitte entstammen dem Buch „Die Bibel – 7 Gründe, warum ich sie lese“ von Rudolf Westerheide erschienen im Neufeld-verlag.de. Wer sich näher mit dem Thema befassen möchte, sollte sich das Buch kaufen.

Was ist eigentlich die Bibel?

Falls das Video nicht zu sehen ist, gibt es hier einen Direktlink dazu.

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